Glossar
Wichtige Begriffe aus den Plenumsdiskussionen.
- Chancengleichheit/ gesundheitliche Chancengleichheit
Chancengleichheit bezeichnet in modernen Gesellschaften das Recht auf eine gerechte Verteilung von Zugangs- und Lebenschancen. Gesundheitliche Chancengleichheit definiert dieses Recht gesundheitsbezogen, d.h. als Herstellung gleicher Chancen, gesund zu sein und gesund zu bleiben; vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Leitbegriffe der Gesundheitsförderung 2011 - Determinantenorientierung
Determinanten sind Einflussfaktoren, die auf die Gesundheit der Bevölkerung wirken. Unter Determinantenorientierung wird hier die Berücksichtigung dieser Einflussfaktoren verstanden; vgl. Glossar - Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) - Evaluation
Systematische Untersuchung des Nutzens oder Wertes eines Gegenstandes. Solche Evaluationsgegenstände können z. B. Programme, Projekte, Produkte, Maßnahmen, Leistungen, Organisationen, Politik, Technologien oder Forschung sein. Die erzielten Ergebnisse, Schlussfolgerungen oder Empfehlungen müssen nachvollziehbar auf empirisch gewonnenen qualitativen und/oder quantitativen Daten beruhen; vgl. Gesellschaft für Evaluation (DeGEval): Standards für Evaluation (PDF, 410KB)
- Evidenzbasierung
„Evidenzbasierte Ansätze sind solche, deren Effekte wissenschaftlich untersucht und für nutzbringend befunden wurden“; vgl. Gerhardus et al. 2010 - Gender
„Gender“ beschreibt im Englischen im Gegensatz zum biologischen Geschlecht „sex“ das soziale Geschlecht. Gemeint sind also gesellschaftlich geprägte Geschlechterrollen von Frauen und Männern; vgl. Glossar - Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) - Gesundheitliche Ungleichheiten
Steht für die ungerechte und vermeidbare Kluft bei der Gesundheit verschiedener Bevölkerungsgruppen und befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen sozialen bzw. sozioökonomischen Faktoren und Gesundheit. - Gesundheitsdeterminanten
Persönliche, soziale, wirtschaftliche oder umweltbedingte Faktoren, die den Gesundheitszustand einzelner Menschen oder ganzer Gemeinschaften – positiv wie negativ – bestimmen. - Gesundheitsförderung
Zielt laut Ottawa Charta der WHO (vgl. Glossar - Fonds Gesundes Österreich) auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Konkret werden darunter Maßnahmen und Programme verstanden, die Menschen dabei unterstützen, ihre Gesundheit zu verbessern. - Gesundheitskompetenz, Health Literacy (engl.)
Die Fähigkeit des Einzelnen, im täglichen Leben Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken – zu Hause, in der Gesellschaft, am Arbeitsplatz, im Gesundheitssystem, im Markt und auf politischer Ebene. Gesundheitskompetenz ermächtigt Personen zur Selbstbestimmung und zur Übernahme von Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit bezüglich ihrer Gesundheit. Sie verbessert die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen; Def. nach Abel & Bruhin , vgl. Sommerhalder, Abel, 2007, S.4 - Health Impact Assessment (HIA), Gesundheitsfolgenabschätzung
HIA ist ein systematischer Prozess zur Analyse und Bewertung geplanter politischer Vorhaben hinsichtlich der möglichen positiven und negativen Auswirkungen auf die Gesundheit sowie deren Verteilung innerhalb der Bevölkerung. HIA dient dazu, politische Entscheidungen im Sinne einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik informierter zu gestalten. - Health in All Policies (HiAP), "Gesundheit in allen Politikfeldern"
Strategie zur Integration von Gesundheitsüberlegungen in andere politische Sektoren mit dem Ziel einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik.
- Lebenskompetenzen
Fähigkeiten, die es Menschen ermöglichen, ihr Leben zu gestalten und zu meistern. Lebenskompetenzen oder „life skills“ geben Menschen die Kraft, mit Veränderungen zu leben oder Veränderungen in ihrer Umgebung herbeizuführen. Die Gesundheitsförderung unterstützt Menschen bei der Entwicklung von Lebenskompetenzen, die für ihre Gesundheit relevant sind; vgl. Glossar - Fonds Gesundes Österreich (FGÖ)
- Lebenswelten
vgl. unten Settings
- Nachhaltigkeit
Zielt auf einen langfristigen Nutzen. „Nachhaltige Gesundheitsförderungsaktionen sind solche, die ihren Nutzen für Gemeinwesen oder Bevölkerungen auch jenseits der ersten Stadien ihrer Implementation aufrecht erhalten können.“ (WHO-Glossar, zit. nach Alf Trojan/Waldemar Süß, BZgA - Leitbegriffe der Gesundheitsförderung)
- Nicht übertragbare Krankheiten (eng. non communicable diseases – NCD)
Nichtübertragbare Krankheiten, eine Gruppe von Erkrankungen, zu der Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, chronische Atemwegserkrankungen und psychische Störungen gehören, sind für 86 Prozent aller Todesfälle und 77 Prozent der Krankheitslast in der Europäischen Region der WHO verantwortlich. Diese Gesundheitsprobleme sind weitgehend vermeidbar und weisen gemeinsame Risikofaktoren und Determinanten, aber auch gemeinsame Handlungsmöglichkeiten auf; vgl. WHO Europa
- Ottawa-Charta
Schlussdokument der ersten internationalen Konferenz über Gesundheitsförderung 1986, das bis heute als Leitfaden und Inspiration der Gesundheitsförderung dient. Die Charta ruft Staaten dazu auf, Strategien und Programme zur Gesundheitsförderung umzusetzen. Und das mit Hilfe von drei Strategien: Advocacy, Empowerment und Vernetzung. Unter anderem haben sich die Teilnehmerstaaten der Konferenz dazu verpflichtet, in fünf wesentlichen Handlungsfeldern der Gesundheitsförderung aktiv zu werden: Nämlich, an einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik mitzuwirken, gesundheitsförderliche Lebenswelten zu schaffen, gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen zu unterstützen, gesundheitliche Unterschiede innerhalb der Gesellschaften abzubauen, und die Gesundheitsdienste und ihre Mittel in Richtung Gesundheitsförderung umzuorientieren; vgl. Glossar - Fonds Gesundes Österreich (FGÖ)
- Partizipation
Öffentlichkeitsbeteiligung, Einbeziehung; bedeutet die Möglichkeit aller betroffenen bzw. interessierten Personen, ihre Interessen oder Anliegen bei der Entwicklung von Plänen, Programmen, Politiken oder Rechtsakten zu vertreten bzw. vorzubringen; vgl. Standards für Öffentlichkeitsbeteiligung.
- Pathogenetischer Ansatz
Pathogenetische Ansätze befassen sich primär mit der Entstehung von Erkrankungen, d. h. dem Verständnis pathogener Prozesse. Pathogenese fokussiert somit darauf, warum und woran Menschen krank werden. Pathogenese betrachtet Gesundheit als den Normalfall und Krankheit als davon abweichenden alternativen Zustand, eine Person ist daher im Gegensatz zum Salutogentischen Ansatz (Details siehe unten) entweder gesund oder krank; vgl. BZgA – Leitbegriffe der Gesundheitsförderung 2011 - Patientensouveränität
- Prävention (lat. praevenire = zuvorkommen); Vorsorge
Bedeutet hier Krankheitsvorbeugung bzw. -vermeidung. Dabei gilt es, den Eintritt von Ereignissen oder Umständen, die zu Gesundheitsbeeinträchtigungen, Erkrankungen, zu deren Verschlimmerung oder zum Auftreten von mit diesen Krankheiten im Zusammenhang stehenden Folgeerscheinungen und Behinderungen sowie deren Fortschreiten führen, zu vermeiden, zu verzögern oder weniger wahrscheinlich zu machen; vgl. Glossar - Handbuch Gesundheit Österreich (ÖGD) - Public Health
Wissenschaft und Praxis der Prävention von Krankheiten, Verlängerung von Leben und Förderung von psychischer und physischer Gesundheit und Effizienz durch strukturierte Maßnahmen des Gemeinwesens. Public Health umfasst Strukturen und Prozesse, über die die Gesundheit von Gemeinschaften verstanden, geschützt und gefördert wird. Sie schafft Bedingungen, unter denen Menschen gesund leben können. Public Health ist deshalb auch eine Querschnittdisziplin; vgl. Glossar - Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) - Public Health-Orientierung
Maßnahmen, politische Strategien etc. die an der Gesundheit der Bevölkerung ausgerichtet sind (und nicht an der Gesundheit einzelner). - Ressourcen
Soziale und persönliche Mittel und Möglichkeiten, die bei der Bewältigung von Lebenssituationen und Problemen helfen. Wer über mehr Ressourcen verfügt, ist üblicherweise auch in der Lage, solche Herausforderungen besser zu bewältigen. Die Gesundheitsförderung kennt persönliche – oder interne – sowie umweltbezogene und soziale – oder externe – Ressourcen. Zu den internen Ressourcen zählen zum Beispiel ein positives Selbstwertgefühl, ein stabiles Immunsystem oder Kompetenzen. Beispiele für externe Ressourcen sind das Vorhandensein sozialer Netzwerke, sichere Arbeits- und Lebensbedingungen oder Zugang zu einer gesundheitlichen Grundversorgung; vgl. Glossar - Fond Gesundes Österreich (FGÖ). - Ressourcenorientierung
Orientierung an den vorhandenen Ressourcen im Sinne von Stärken, Potenzialen, Kompetenzen etc. (sowohl von Individuen als auch von sozialen Netzwerken oder Systemen); im Unterschied zu einer Defizitorientierung, die Mängel, Probleme etc. in den Mittelpunkt stellt; die Ressourcenorientierung ist auch ein zentraler Grundsatz von Gesundheitsförderung; siehe Salutonetischer Ansatz. - Salutogenetischer Ansatz
Der Begriff „Salutogenese“ wurde von A. Antonovsky als Gegenbegriff zu dem der „Pathogenese“ (siehe unter Pathogenese) geprägt: Salutogenese wendet sich der Erforschung der Prozesse zu, die Gesundheit erhalten und fördern. Ihre Grundfrage lautet, warum Menschen trotz oftmals zahlreicher alltäglicher Belastungen und krankheitserregender Risikokonstellationen sowie kritischer Lebensereignisse gesund bleiben. Im Hinblick auf die Gesundheitsförderung bedeuten dies, dass die salutogenetische Perspektive auf eine Stärkung der Bewältigungspotenziale abzielt und darauf, sozialökologische Rahmenbedingungen zu fördern, die Menschen helfen, ihre Gesundheit zu bewahren. Das salutogenetische Modell korrespondiert daher gut mit den in der Ottawa-Charta der Gesundheitsförderung formulierten Handlungsebenen; vgl. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Leitbegriffe der Gesundheitsförderung 2011
- Setting
bezeichnet im Sinne der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung (WHO) einen Lebensbereich, in dem die Menschen einen Großteil ihrer Lebenszeit verbringen (z. B.: Schule, Arbeitsplatz, soziales Wohnumfeld etc.). Die Arbeit in Settings stellt eine Kernstrategie der Gesundheitsförderung dar und bedeutet, dass sowohl strukturelle Maßnahmen der Organisationsentwicklung, der physischen und sozialen Umweltgestaltung als auch klassische Prävention und Gesundheitserziehung systematisch und miteinander verbunden dort zum Einsatz kommen, wo Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt leben.; vgl. Glossar aus ÖGD Handbuch
- Sozioökonomische Gesundheitsdeterminanten
Der sozioökonomische Status nimmt wesentlichen Einfluss auf den Gesundheitszustand. Der sozioökonomische Status kennzeichnet die Position einer Person in der Gesellschaft. Die dabei einwirkenden Kriterien sind vielschichtig (insbesondere Ausbildungsniveau, Einkommen, Beschäftigung etc.).
- Verhältnisprävention/ Verhältnisorientierung
Verhältnisprävention bezeichnet Maßnahmen, die auf eine gesundheitsförderliche (⇒ Gesundheitsförderung) Veränderung der Lebensverhältnisse abzielen und bezieht auch die Umgebung von Personen und ihre Lebensverhältnisse mit ein. Dahinter steht die Vorstellung, dass Menschen sich nur dann wirklich wohl fühlen können, wenn auch das Umfeld, in dem sie leben, arbeiten, lernen, wohnen und lieben gesundheitsförderlich und nicht krank machend ist. Daher ist es für die Gesundheitsförderung wichtig, die Verhältnisse zu berücksichtigen.; vgl. Glossar - Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) - Versorgungsqualität
Die Leistungshöhe von gegebener Gesundheitsversorgung. Letztendlich hängen Maße der Versorgungsqualität immer von Wertsetzungen ab, jedoch lassen sich Komponenten von, und Einflussgrößen für, Qualität objektiv messen. Donabedian hat diese Maße eingeteilt in Strukturmaße (z. B. Personalkapazität, Einrichtungen), Prozessmaße (z. B. Diagnose- und Therapieverfahren) sowie Erfolgsmaße (z. B. spezifische Sterberaten, Patientenzufriedenheit). - Volkskrankheiten
Als Volkskrankheiten bewertet werden nichtepidemische Krankheiten, die auf Grund ihrer Verbreitung und ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen (Behandlungskosten, Anspruch auf Lohnausgleich bei Arbeitsunfähigkeit, Frühberentung) sozial ins Gewicht fallen. Typische Zivilisationskrankheiten in den Industrienationen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen (die Folgen von Bluthochdruck), Arthrose und Diabetes mellitus Typ 2 (die Folge von Überernährung);
- Vorsorge
Unter Vorsorge werden meist stärker im medizinischen Bereich angesiedelte Präventions- und insbesondere Früherkennungsmaßnahmen (Vorsorgeuntersuchungen, Screenings) verstanden.
- Wirkungsorientierung
Wirkungsorientierung ist charakterisiert durch die Konzentration auf effektives Handeln zur Wirkungsmaximierung; In der wirkungsorientierten Verwaltung bilden nicht die zur Verfügung stehenden Ressourcen, sondern die angestrebten Wirkungen und die hierfür erforderlichen Leistungen den Ausrichtungsmaßstab des Verwaltungshandelns. (BKA 2010 – Handbuch Wirkungsorientierte Steuerung; PDF 3,1 MB)
